Geschichten

Lauras Gschichtli

Ich nenne sie Laura. Laura, die Nachdenkliche. Laura, die Weltoffene. Laura, die Dramaqueen. Viele Begriffe passen zu ihr und einige mögen sie, andere weniger. Laura steht für sich selbst ein und nimmt kein Blatt vor den Mund. Und eckt damit an, immer und immer wieder. Genau deshalb ist sie jedoch so authentisch und ich lasse euch hin und wieder an ihren Achterbahn-Gschichtli teilhaben...

Laura, Der C-Käfer & Die Freiheit

Ich erzähle euch jetzt eine Geschichte. Und das nicht nur, weil einige von euch meine Gschichtli zu vermissen scheinen, sondern weil ich euch von einer jung gebliebenen Frau erzählen will. Wer sie kennt, würde mir bestätigen, dass sie keinesfalls alt ist, sondern in den besten Jahren. Nennen wir sie Laura, um eine Verbindung mit der Schreibenden kategorisch auszuschliessen. Laura ist wütend. Wütend auf diesen blöden C-Chäfer, der seit zwei Jahren den ganzen Globus einnimmt und alles durcheinander bringt. Wütend auf sich selbst, weil sich Laura eingesperrt fühlt und sich schon länger nicht mehr so fest mit sich selbst beschäftigen musste. Denn dieser blöde Chäfer hat nun auch sie erwischt, obwohl Laura doch bis jetzt so resistent dagegen war – angeblich. Wie resistent ihr Immunsystem ist oder eben nicht, interessiert Laura aktuell herzlich wenig. Was sie dafür umso mehr interessiert, ist, wann sie ihre Freiheit zurück erlangt. An dieser Stelle verzichte ich auf die allgemein bekannten und ja sowieso immer gleich bleibenden Massnahmen (höre nur ich die Ironie?) und erzähle euch lieber weiter von Laura. Laura wäre heute in die Ferien gefahren. Diejenigen Ferien, auf die sie sich seit vielen Monaten freut und in ihrem Kopf folgende Vorstellung hat: Angenehme 28 Grad, türquises Wasser, Sandstrand soweit das Auge reicht und eine leichte Brise, die sanft über Lauras Körper gleitet und ihren Verstand ganz klar werden lässt. Laura blickt aufs Meer, hält einen fruchtig-süssen Cocktail in der Hand und lässt ihre Gedanken in die Ferne schweifen. Am Vormittag war sie zum ersten Mal tauchen und verarbeitet die wunderbaren Bilder vor ihrem inneren Auge. Besonders die Schildkröte hat es ihr angetan, was für ein Erlebnis! Sie überlegt sich gerade, was sie mit dem Rest des Tages noch anstellen kann, als… Ja, als sie realisiert, dass sie weder am Strand steht noch eine kühle Brise weht. Laura liegt im Bett, spürt statt wohliger Wärme ein leichtes Fieber (auch eine Art von Wärme, nicht wahr…?) und kämpft mit üblen Kopfschmerzen, wie sie sie schon lange nicht mehr hatte. Was ist denn nur los, fragt sie sich. Das liegt sicherlich am Stress der letzten Tage (oder Monate?) oder daran, dass sie wieder mal beim Spazieren die Zeit vergessen hat und etwas unterkühlt nach Hause kam. Blödsinn, wie sich am nächsten Tag herausstellt! Zuerst noch wie ein fleissiges Bienchen am Arbeiten – aktuell sowieso noch mehrheitlich im Homeoffice – merkt Laura plötzlich, wie sich ihr Zustand verschlechtert. Aber warum? Das Kopfkino geht los und die Gedanken schiessen wild durcheinander: Corona? Nein, das kann nicht sein. Ah doch, sie hatte ja kürzlich Kontakt mit einer positiv getesteten Person. Aber nein, sie ist doch geboostert? Hmm, das scheint nicht immer zu schützen… Selbsttest? Nein, denn für Mexiko braucht sie gar keinen Test. Aber klar doch, denn sie hat Symptome. Ziemlich starke sogar. Und wenn sie positiv ist? Was wir dann aus den Ferien? Nun ja, was soll ich euch sagen… Der Selbsttest von Laura war positiv und zwar eindeutig. Das Kopfkino ging weiter: Sch***, was mach ich jetzt? Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die sonst so taffe Laura kurz überfordert war. Und einen (mit Betonung auf kleinen ;)) Heulkrampf hatte. Nach einem kleinen Gerangel ihrer inneren Stimmen war der Fall klar, dass sie sich richtig testen lassen würde. Das soziale Gewissen hat den Kampf gegen den Egoismus deutlich gewonnen, wen erstaunt’s? Laura nicht. Ob und wie Laura in den nächsten Tagen gearbeitet hat, entzieht sich meiner Kenntnis, deshalb kann ich euch darüber nichts berichten. Ich weiss dafür, wie sie ihren Samstag verbracht hat und zwar mit „Beschäftigungstherapie“, wie sie es so schön nennt. Dafür hat sie sich am Freitagabend eine Liste geschrieben, was sie alles erledigen könnte, sofern es die Energie zulässt. Es könnte sein, dass ein verführerischer Amaretto Sour sie dabei auf etwas wahnwitzige Ideen gebracht hat, aber mehr dazu später. Nach viiiiel Schlaf und noch mehr Teeli sowie nicht-so-prickelndem-Inhalieren machte sich Laura ans Abarbeiten der Liste. Aber womit sollte sie anfangen? Vielleicht mit dem Aufräumen des Badzimmerschränklis, das aus allen Nähten platzt und seit dem Zügeln nie richtig eingeräumt wurde? Gedacht, getan. Oder besser gesagt: Gedacht, angefangen, nie fertig getan. Denn wie ich Laura kenne, liegt die Hälfte der Dinge wohl immer noch auf dem Boden oder irgendwo verstreut. Das würde ich nur zu gerne selbst überprüfen… ;) Auf der Liste stand auch „Balkon umräumen“ mit den Hinweisen zum Grill und der Lounge („wo?!?“). Beides ist, für den grundsätzlich für städtische Verhältnisse nicht kleinen, aber in diesem Fall zu wenig grossen Balkon, zu sperrig. Obwohl ich nicht dabei war, stelle ich mir Laura vor, wie sie diese logistische Herausforderung in Angriff zu nehmen versucht: Esstisch anheben, um 90 Grad drehen, wieder hinstellen – ein Anfang… Loungetischli kurzerhand in eine Verlängerung umwandeln, in dem man die Glasplatte wegnimmt und ein Polster festmacht – clever! Und dann passt das auch noch ganz genau in die Lücke, so dass Laura wieder auf ihrer geliebten Lounge liegen und nicht nur im Schneidersitz hocken kann – grandios! Weiter würde sie wohl die Grillabdeckung putzen, den verschmutzten Rost gekonnt ignorieren und den nicht ganz leichten Grill mit Müh und Not 100-fach umstellen – was war noch mal die Idee dahinter? Weitere Einzelheiten erspare ich euch, ihr könnt es euch bestimmt lebhaft vorstellen. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Balkon ist umgeräumt, Laura liegt völlig erschöpft auf der Lounge und muss sich zuerst mal von den Strapazen erholen. Kurze Zeit später merkt sie, dass sie den Kaffee neu sogar mit Seesicht geniessen kann, was für eine Meisterleistung! Was wohl die ersten Besucher dazu meinen, die vielleicht nicht ganz so elegant wie Laura um die Möbel herum kurven? Den Witz mit der Betonung des letzten Wortes spare ich euch an dieser Stelle ;) Die weiteren Punkte auf Lauras Liste waren weniger spektakulär, sie hat aber mehr oder weniger versucht alle zu erledigen. Als die Sonne unterging, wurde sie plötzlich genervt. Ihr fragt euch sicher, was passiert ist. Nichts, genau das war das Problem. Laura ist sich gewohnt viel auf Achse zu sein und schon gar nicht ganze Tage alleine Zuhause zu verbringen. Hier liegt die Betonung auf alleine, denn im neuen Zuhause fühlt sie sich sehr wohl. Im Wissen, nicht unter Menschen zu gehen, nein, sie regelrecht zu meiden, verschlechterte sich Lauras Laune Minute um Minute. Sie wurde wütend, über den C-Chäfer und über sich selbst. Könnte es deshalb sein, dass sich Laura beim Einbrechen der Dunkelheit mit Maske und gut eingepackt an ihren geliebten Rotsee schlich? Vielleicht. Hat sie dabei einen grossen Bogen um die wenigen Menschen gemacht, die zu dieser Zeit noch unterwegs waren? Definitiv! Kann Laura davon ausgehen, dass sie sowieso aus der Isolation entlassen wird und nur noch auf das Telefon wartet? Korrekt. So steht sie am Ufer des Rotsees: Kühle 3 Grad, geheimnisvolles Wasser, Schilf soweit das Auge reicht und ein kalter Wind, der bissig um Lauras rote Nase weht und ihren Verstand ganz klar werden lässt. Laura blickt aufs Wasser, hält ein verschnüderetes Taschentuch in der Hand und lässt ihre Gedanken in die Ferne schweifen. Doch statt sich am Strand liegen zu sehen, sieht Laura ein anderes Bild: Das einer kleinen Rebellin, die auf ihre Bedürfnisse hört, ohne dabei jemanden zu gefährden oder zu verletzen. Eine kleine Rebellin, die in den letzten Tagen einige Hochs und Tiefs durchlebt hat. Und eine kleine Rebellin, der einmal mehr bewusst wurde, wie wertvoll Zeit für und mit sich selbst ist. Und was Freiheit und Selbstbestimmung für sie bedeuten. Mit diesen Gedanken machte sich Laura auf den Rückweg in ihr gemütliches Zuhause, um dort ein Candle-Light-Raclette im neu eingerichteten Essbereich der Küche zuzubereiten und ihre gewonnenen Erkenntnisse mit leichten Ausschweifungen (ratet mal, was hier die Betonung sein könnte) niederzuschreiben. Und um sich ganz fest auf die Ferien übernächste Woche zu freuen. Hasta la vista! Und wen ich auch mit diesem Gschichtli unterhalten konnte, darf mir das gerne mitteilen. Ich leite es dann selbstverständlich an Laura weiter, welche sich bestimmt darüber freut. Aber das mache ich erst später, denn zuerst muss die Autorin abtauchen. Heute in der Badewanne und eine Woche später im Ozean – blubb! PS: Wenn ich wieder auftauche, gibt es möglicherweise einen Reiseblog aus Mexiko. Mit zum-neidisch-werdenden-Fotos. Von Schildkröten und so. :) PPS: Respekt an all diejenigen, die zehn Tage oder sogar noch länger in Isolation ausharren mussten. Und mit Partnern. Und Kindern. Und Haustieren. Und ohne Balkon. Meinen GROSSEN Respekt!

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LAURA SIEHT WIEDER KLAR

Die Geschichte spielt im April 2022 und kommt heute, ein Jahr später, in diesen Blog... Seit der fünfte Klasse benötigt Laura Sehhilfen. Damals konnte sie die mit weisser Kreide aufnotierten Zahlen auf der dunklen Wandtafel nicht (mehr) erkennen, geschweige denn das mathematische Ergebnis ableiten. Wobei das wohl nicht nur am Sehvermögen lag… Die nächsten Jahre trug Laura mehr oder weniger stylische Brillen, von der gelb-orange-roten Schmalen bis zur bräunlich-goldig Modischen. In den Jugendjahren, welche bekanntlich noch gar nicht so lange her sind, entschied sich Laura immer öfters für Kontaktlinsen. Diese sind nicht nur beim Sport komfortabler, Laura gefällt ihr brillenloses Gesicht auch generell besser. Über die Möglichkeit einer langfristigen Laser-Korrektur hat sich Laura schon länger informiert, nun ist der Zeitpunkt dafür endlich gekommen. Dass man für eine "freiwillig notwendige" (die beiden Wörter zeigen die Ironie schön auf) Operation selbst berappen muss und auch nicht krank geschrieben wird - trotz Arbeitsunfähigkeit! - findet Laura bis heute frustrierend, ist nach dem aktuellen Gesetz jedoch Usanz. Dass sie zudem fünf Wochen vor dem Lasern nur noch mit Brille rumlaufen durfte, war für die Kontaktlinsen liebende Laura anspruchsvoll. Besonders im Fitness, als ihr die Brille wegen dem Schweiss von der Nasenspitze rutschte, sehnte sie sich nach einem Brillen (und Linsen) freien Leben. Nach einer ersten Vorbesprechung im Januar war für Laura klar, dass sie sobald als möglich die Voruntersuchungen sowie die Operation planen möchte. Als das Organisatorische geregelt war, stand anfangs April der obligate Voruntersuch an. Während rund drei Stunden absolvierte Laura verschiedene Sehtests und beantwortete die Fragen der Ärzte und Optiker. Dabei wurden auch nochmals die Kosten, Risiken sowie das Vorgehen besprochen. Nach einer Nacht-drüber-schlafen, wie es Laura oft macht bei Entscheidungen, überwies sie den fälligen Betrag für die Operation und damit stand dem Eingriff nichts mehr im Wege. Am Donnerstag vor Ostern war es dann soweit. Doch etwas nervöser als sie angeblich zugeben wollte, fuhr Laura mit ihrem Mami in die Augenklinik. Nach kurzer Wartezeit zog sich Laura das sterile weisse Mäntelchen, eine Haube sowie einen Schutz für die Schuhe über und lief aufgrund verabreichter Tröpfchen halb blind in den Operationssaal. Der Arzt erklärte ihr, dass sie sich wie am Strand fühlen sollte: Statt Meeresrauschen hörte sie den Laser und statt der Sonne schien ihr der Laserstrahl ins Gesicht. Laura kann sich generell gut wegträumen und so beruhigte sie diese Vorstellung. Die Augenklammern verhinderten das unbeabsichtigte Blinzeln während des Eingriffs und fühlten sich für Laura etwas unangenehm an. Nach einem letzten Check der Augen sowie einigen Tröpfchen zur Befeuchtung ging es auch schon los. Während 30 Sekunden wurden zuerst das linke Auge, danach für einige Sekunden mehr das rechte Auge gelasert. Ihr könnt auch das so vorstellen: Zuerst sieht man einen roten Punkt, ähnlich wie bei einem Sehtest. Dieser Punkt wird immer grösser und grösser, bis man eine glühend rote Sonne sieht und glaubt, dass man dieses brennende Licht nicht mehr aushält. Man hört den Arzt neben sich ständig „schön in den Punkt schauen“ sagen und denkt sich, dass da schon lange kein Punkt mehr ist. Dann spürt man eine Hitze im Auge und im nächsten Moment riecht man verbrannte Haut. Das war für Laura der schlimmste Moment, glücklicherweise war es wenige Sekunden später vorbei. Beim zweiten Auge wiederholte sich das Prozedere, wobei sich Laura deutlich empfindlicher fühlte und nach dem Lasern einer Ohnmacht Nahe war. Zu hören, was für schöne tiefblaue Augen mit braunen Sprenkeln sie habe, tröstete sie in diesem Moment etwas und benommen taumelte sie aus dem Operationssaal. Wieder am Tageslichte machte sich die grosse Empfindlichkeit bereits bemerkbar und Laura war dankbar, dass sie ihr Mami am Arm nach Hause begleitete und noch etwas bei ihr blieb. Die Schmerzen waren aushaltbar, die betäubenden Tröpfchen wirkten. Dies änderte sich in der Nacht auf Freitag schlagartig, als Lauras Augen fast komplett zugeschwollen und überaus empfindlich waren. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten, die erhaltenen Medikamente verfehlten ihre Wirkung. Verängstigt, da sie die starken Schmerzen nicht einzuschätzen wusste, rief sie am Karfreitag ins Spital an, um zu fragen, ob sie die vereinbarte Nachkontrolle bereits eine Stunde früher besuchen durfte. Mit Müh und Not konnte sich Laura ein Uber bestellen und kam kurz vor 8 Uhr in der Augenklinik an. Bis heute kann sie sich nicht erklären, wie sie ohne wirkliches Sehvermögen überhaupt das Auto, geschweige denn den Weg in die Augenklinik gefunden hat… Eine Ärztin schaute sich ihre Augen an und gab ihr stärkere Schmerzmittel. Durch die Irritation der Augen und aufgrund der starken Schmerzen liefen Laura ununterbrochen Tränen über die Wange – welch ein Anblick! Der zuständige Optiker stellte fest, dass Laura zu den rund 20% derjenigen gehörte, die besonders starke Schmerzen nach dem Eingriff verspüren. Da er dies selbst durchgemacht hatte, konnte er Laura sagen, wie es vermutlich weitergehen würde. Dass es für einige Stunden noch schlimmer werden würde, war für Laura in diesem Moment nicht vorstellbar, der Optiker sollte jedoch Recht behalten. Die beiden nächsten Tagen verbrachte Laura mehrheitlich im Bett. Dank grossartiger Betreuung durch ihre Schwester und einer guten Freundin (danke nochmals, an eure Kochkünste kann man sich gewöhnen!) konnte sich Laura auf ihre Genesung konzentrieren und schlief vermutlich so viel wie letztmals als Baby. In den komatös anmutenden Wachmomenten schwirrten viele Gedanken durch Lauras Kopf. Da sie aufgrund der stark beeinträchtigten Sehleistung weder lesen noch fernsehen konnte, hörte sie stundelang Hörbücher. Der „Gesang der Flusskrebse“ sollte sie noch lange gedanklich begleiten, dieses Werk hat sie durch eine schwierige Zeit getragen und ihr viele schöne Bilder im Kopf beschert. Da Laura auch während ihren Ferien, welche sie auf Empfehlung des Arztes im Voraus eingegeben hatte, ziemlich eingeschränkt war, hatte sie viel Zeit zum Nachdenken. Und hat gelernt, dass Gedanken oftmals nicht den Raum erhalten, den sie verdienen. Dabei geht es nicht ums „Zerdenken“, sondern um das bewusste Filtern und Sortieren von Gedanken, die sich schon lange angestaut und zu einem kleinen Chaos verwoben haben. Gerade in belastenden Zeiten braucht es bewusste Pausen und eben auch die Möglichkeit, sich um seine Gedanken zu kümmern. Dies funktioniert bei Laura besonders gut bei langen Spaziergängen, in den Bergen sowie einfach auf dem Bett liegend - so wie zu dieser Zeit. Auch mehrere Wochen später hatte Laura noch Schmerzen und ihre Sehkraft war eingeschränkt, was besonders das Arbeiten am Bildschirm sehr mühsam machte. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie sich gewünscht, dass sie sich ein Arztzeugnis besorgen kann, um ihrer Genesung Priorität einzuräumen. Da es sich um einen freiwilligen Eingriff handelt, kriegt man vom Augenarzt jedoch kein Attest. Also hat Laura so gut sie konnte gearbeitet, so wie sie es immer macht. Und ihre sortierten Gedanken in eine Entscheidung umgesetzt, welche sich als absolut richtig erwiesen hat. Jetzt, genau ein Jahr später, geniesst Laura ihre neue (Seh-)Freiheit. Welch unglaublich tolles Gefühl es doch ist, auf keine Sehhilfe mehr angewiesen zu sein! Inständig hofft Laura, dass dieser Effekt noch viele Jahre anhält – das kann ihr jedoch niemand garantieren. Zuversichtlich wie sie ist, glaubt sie jedoch fest daran und bereut die Operation keine Sekunde. Die Erfahrung hätte definitiv weniger schmerzhaft sein können, hat ihr jedoch wortwörtlich die Augen geöffnet. Die körperlichen Schmerzen sind zwischenzeitlich zum Glück gänzlich abgeklummen, die seelischen Erfahrungen und damit verbundenen Ängste haben etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Gespräche mit Vertrauten und das aktive Auseinandersetzen mit ihren Gedanken und Emotionen haben Laura stärker gemacht. Sie nimmt sich das Gelernte auch heute wieder zu Herzen und gibt ihren Gedanken und Gefühlen den Platz, den sie verdienen. Und bleibt dabei optimistisch.

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