„Wer lebt, sieht viel. Wer reist, sieht mehr.“ Dieses Sprichtwort beschreibt meine bisherigen Erfahrungen ganz gut. Auch heute wurde mir wieder einmal bewusst, wie unglaublich viel es auf dieser
Welt zu entdecken gibt und wie dankbar ich bin, dass ich diese Möglichkeit überhaupt habe. Ich lasse euch gerne an meinen Erlebnissen in Bangkok teilhaben:
Nach dem rund 9 stündigen Flug von Sydney nach Bangkok traf mich erstmals der Schlag, als ich aus dem Flugzeug stieg. Obwohl ich vorgewarnt wurde, trafen mich die Hitze und die Luftfeuchtigkeit
mit voller Wucht. Welcome to Asia! Bereits am Flughafen stellte ich fest, dass man hier mit Englisch nicht unbedingt weit kommt… So lief ich mit meinen nicht gerade leichten Rucksäcken durch den
Flughafen, bis ich endlich mein Visa erhielt und meinen Fahrer fand. Völlig erschöpft kam ich im Nouvo City Hotel an. Wegen der Zeitverschiebung musste ich mich noch etwas auf den Beinen halten
und so lief ich umher, bevor ich ein kühles Bier und Street Food (Spiessli, mmmmh!) probierte. Auch abends ist es hier noch sehr warm und man schwitzt sogar beim Schlafen…
Heute durfte ich etwas ganz Besonderes erleben. Mein Cousin André hat mir einen Guide gebucht – 10 Stunden nur für mich! Herzlichen Dank nochmals, wirklich ein geniales Geschenk! Als mich Yui
fragte, was ich heute sehen möchte, war meine Antwort simpel „den schönsten Tempel der Stadt und das wahre Bangkok, wie es die Einheimischen kennen“. Also liefen wir zuerst zum Wat Arun (Tempel
der Morgenröte), unterwegs zeigte Yui mir einen Markt für Einheimische und wie diese oberhalb der Markstände leben. Die Kleider werden irgendwo zum Trocknen drübergelegt, die Habseligkeiten
stapeln sich kreuz und quer und Toiletten findet man meistens in irgendeinem völlig heruntergekommenen Container, welcher von der halben Markthalle und deren Bewohnern benutzt wird. Viele Händler
sind Burmesen, also aus Myanmar (ehemals Burma) stammende Gastarbeiter. Umso beeindruckter war ich, wie unglaublich freundlich diese Menschen sind und einem anlächeln, auch wenn sie einem nicht
verstehen können.
In Bangkok gibt es über 400 Tempel – absoluter Wahnsinn, dachte ich mir dazu – Wat Arun ist aber absolut sehenswert! Auch Wat Pho, in welchem man die liegende Buddha-Statue bestaunen kann, gefiel
mir sehr. Den Königstempel und -palast besuche ich dann noch, keine Angst ;) Hier hat es an jeder Ecke ein Denkmal oder Fotos für den König, die Königsfamilie geniesst in Thailand ein unglaublich
hohes Ansehen. Mit dem Sammeltaxi, sprich quasi hinten auf der Ladefläche, fuhren wir rund eine Stunde Richtung Westen. Yui wollte mir einen Floating Markt (Wassermarkt) zeigen, der bei
Einheimischen sehr beliebt ist. Tatsächlich sah ich nur wenige andere Touristen dort. Yui sagte mir schon, dass ich mit meiner weissen Haut und den blonden Haaren als Schönheit gelte (aha…) und
wir wohl oft angesprochen werden würden, obwohl man hier natürlich schon auch Touristen gesehen habe. Nun ja, ich wurde dann auch tatsächlich ständig beobachtet, angesprochen oder musste gar ein
Interview inklusive Video geben. Ich fand das persönlich ziemlich witzig, irgendwie ist es ja auch süss, nicht?
Auf dem Wat Saphan Floating Market werden hauptsächlich Lebensmittel verkauft. Läuft man durch die riesigen Markthallen, so sieht man überall frische Früchte und Gemüse, Meeresfrüchte in allen
möglichen Variationen, schön zubereitete Thai-Gerichte, allerlei Süssspeisen oder farbenfrohe Gewürze. Der Geschmack ist auch dementsprechend, machmal war meine Nase etwas überfordert ;) Einige
Frauen verkauften ihre Waren auch direkt auf kleinen Booten oder bereiteten darauf wunderschöne Blumengestecke als Opfergaben zu. Ich probierte frische Mango, frittierte Bananen, Süsskartoffeln,
Frühlingsrollen und Khanom khai hong (frittierte Bällchen aus Klebereismehl – lecker!). Da es extrem heiss ist, trank ich viel Wasser und Grüntee, welcher hier häufig mit Milch zubereitet wird.
Nachdem wir lange durch die vielen Stände gelaufen waren, wollte ich die Gegend auch noch vom Wasser aus erkundigen. Also setzten wir uns in eines der vielen Boote und fuhren rund eineinhalb
Stunden durch die Kanäle. Von hier aus sieht man auch die vielen Häuser, welche häufig auf Stelzen stehen (früher Holz, heute Betonpfeiler) und immer ein San Phra Phum besitzen. Das bedeutet
Geisterhäuschen und wird bei jedem Grundstück errichtet, um die Geister der ehemaligen Bewohner zu beschwichtigen. Schreine sieht man hier sowieso ÜBERALL, häufig liebevoll gestaltet und immer
mit Opfergaben wie Blumen, Getränke oder Essen.
Ich entdeckte auch weniger schöne Sachen, wie z. B. einen Waran, der gerade einen toten Hund verspeiste, den man offensichtlich in eine Plastiktüte gesteckt hatte. Gruselig! Auch sonst sieht man
hier sehr viel Abfall, vor allem im Wasser… Yui erkärte mir, dass viele Einheimische noch immer praktisch alles im Fluss entsorgen und der Abfall in ganz Thailand ein Problem darstelle. Das
Zentrum selbst empfinde ich nicht als extrem dreckig, sobald man jedoch durch eine Seitenstrasse läuft, sieht das ganz anders aus. Hier stapeln sich die leeren Plastikflaschen, alte Autoteile
oder allerlei Abfall.
Wieder zurück im Zentrum wollte ich Bangkok unbedingt noch von oben sehen und Yui zeigte mir eine Rooftop Bar. Im River View genossen wir die herrliche Aussicht und ein leckeres Abendessen.
Nachdem sich Yui verabschiedet hatte, blieb ich noch etwas sitzen und liess die Aussicht bei einem typischen Thai-Bier (hab schon alle drei bekannten Marken Singha, Leo und Chang probiert) auf
mich wirken. Danach lief ich durch Chinatown, welches mir Yui zuvor noch gezeigt hatte. Im Tuk Tuk fuhr ich rund 20 Minuten zurück zum Hotel, wo ich völlig erschöpft ankam. Was für ein Tag, was
für ein unglaublich verrücktes Bangkok! Ich gewöhne mich zwar langsam an die Hitze (heute 35 Grad, angegeben mit 40 gefühlten Grad), muss aber wirklich viel trinken und ab und zu eine Pause
einlegen. Die vielen für mich unbekannten Eindrücke muss ich auch zuerst verarbeiten, ich würde hier aber nicht von einem Kulturschock sprechen. Morgen mache ich mir einen richtigen Sonntag und
verbringe wohl die meiste Zeit am hoteleigenen Pool ;) Ich melde mich kurz vor Weihnachten nochmals, bevor ich meine Tour Richtung Kambodscha und Vietnam starte.