(unerwarteter Zusatztag)
Stell dir vor, du stehst am Flughafen und bist als nächstes an der Reihe, um dein Gepäck abzugeben. Du wartest nur noch darauf, dass man dir das Zeichen gibt, um an den nächsten freien Schalter
zu gehen. Da wird plötzlich durch die Halle gerufen „Passagiere nach Basel?“. Du antwortest mit „Ja“ und eine Mitarbeiterin erklärt dir mit einem leicht bedrückten Gesichtsausdruck, dass dein
Flug soeben storniert wurde. Oha! Ich hab ja schon viel erlebt, aber das noch nicht… Als ich nach dem Grund frage, kann man mir das nicht beantworten, sondern schickt mich an einen anderen
Schalter. Dort stehen bereits viele gestrandete Passagiere und allen steht eine mittlere bis sehr grosse Verzweiflung ist Gesicht geschrieben. Mir wird vorsorglich ein Platz im nächsten Flieger
gebucht und gesagt, dass ich mich selbstständig über weitere Möglichkeiten informieren solle.
Dass der nächste Flug in 24 Stunden ist, erfahre ich erst später und bin erstmals leicht geschockt. Und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mich die Situation kurzzeitig überfordert hat. Kennt
ihr das Gefühl, wenn ihr euren Plan im Kopf habt und gar nicht damit rechnet, dass er schiefgehen könnte? Flexibel sein gehört zwar zu meinen Stärken und grundsätzlich habe ich nie etwas gegen
einen zusätzlichen Ferientag einzuwenden, jedoch wollte ich unbedingt den letzten Schultag am Samstag mit meiner Klasse erleben und entsprechend suchte ich etwas planlos nach Lösungen.
Mit einer anderen Betroffenen diskutierte ich eine Autofahrt bis nach Biel (dort hin musste sie nämlich dringend, da eine gute Freundin von ihr heiratete). Da ich von Biel aus jedoch nur sehr
umständlich nach Zürich, geschweige denn nach Hause komme, verwarf ich diesen Plan schnell wieder. Jemand anderes brachte mich auf die Idee einen Nachtzug zu nehmen. Gar nicht mal so schlecht,
also googelte ich kurzerhand nach Zügen und buchte einen, der zwei Stunden später abfahren sollte. Perfekt, so wäre ich am fast pünktlich in der Schule. Leider hab ich dabei übersehen, dass es
kein Schlafwagen ist, sondern ein normaler Sitzplatz. 13 Stunden waren mir dann doch zu lang und ganz ehrlich, ich wäre wohl komplett am A*** in Zürich angekommen, wäre ungeduscht und mit Sack
und Pack in der Schule gelandet und hätte wohl nur mit einer Infusion Kaffee am Unterricht teilnehmen können. Das wollte ich mir und den anderen nicht antun. Mein Natel hatte kaum noch Batterie
und ich war echt müde vom langen Stehen, also suchte ich mir einen ruhigen Ort zum Nachdenken. Und dann wurde mir klar, dass ich nun entweder weiter grübeln kann (und dennoch keine sinnvolle
Lösung finden würde) oder ich es einfach akzeptiere und das Beste daraus mache. Gibt dir das Leben Zitrone, dann mach Tequila, ääh Limonade, daraus – nicht wahr?
Da ich auf keinen Fall 24 Stunden in einem Flughaftenhotel verbringen wollte (ihr kennt mich ja, das wäre für mich echte Folter!), suchte ich ein Hotel in Amsterdam. Wow, gar nicht mal so
einfach! Und alles andere als günstig, wie ihr euch vorstellen könnt… Mit dem Hintergedanken, dass Easyjet oder meine Reiseversicherung idealerweise dafür aufkommen würden, buchte ich ein
Hotelzimmer möglichst nahe beim Bahnhof. Unter keinen Umständen wollte ich noch durch halb Amsterdam laufen, das wäre wirklich zu viel des Guten. Einmal tief durchgeatmet und das Zimmer war
gebucht. Hatte ich nicht noch 12 Stunden vorher gesagt, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal in Amsterdam war? Haha…
Also zurück mit dem Zug in die Grossstadt und kurzerhand das gemütliche Hotelzimmer bezogen. Dass man darin kein Auge zumacht, da es direkt neben den Tramlinien und zudem in einer belebten
Strasse liegt, wurde mir erst später bewusst. Was macht man, wenn man unverhofft einen weiteren Tag (und eine Nacht!) in Amsterdam erhält und es der Wettergott dieses Mal gut meint? Natürlich
nicht faul im Hotelzimmer rumliegen, sondern die Stadt erobern :) So genoss ich zuerst den tollen Sonnenuntergang und lief danach erneut durch die Gassen. Schliesslich fand ich ein
einladendes Irish Pub. Ich wollte EIN Bier trinken. Nun ja, mir gefiel die Stimmung dermassen gut und zudem lernte ich immer wieder jemanden kennen. Wie ihr wisst bin ich kein unanständiger
Mensch, also leistete ich natürlich Gesellschaft und staunte nicht schlecht, als sich einer meiner Bekanntschaften als ein populärer TED Talk Speaker herausstellte. Was für coole Geschichten er
auf Lager hatte! Ich sag’s euch Leute, ich staune immer wieder über solche „Schicksalsbegegnungen“ und finde sie unglaublich spannend und wertvoll. Traut euch und setzt euch doch auch mal alleine
in eine Bar, ihr werdet es nicht bereuen!
Nach einer kurzen Nacht (wegen des Lärms versteht sich, keine Interpretationen an dieser Stelle bitte), lachte mir die Sonne ins Gesicht und ich machte mich auf, Amsterdam bei bestem Wetter
erneut auszukundschaften. Wie so oft lief ich ohne Ziel los, holte mir unterwegs einen Kaffee und setzte mich später für einige Zeit ans Wasser. Danach schlenderte ich rund eine Stunde weiter und
landete in einem wahren Paradies: Dem Vondelpark. Dort gibt es nebst anderen Touristen und sicherlich auch vielen Einheimischen, die sich an den Sonnenstrahlen erfreuen, auch viele Tiere zu
entdecken. Ihr wisst ja, vom Anblick von Küken kann ich nicht genug kriegen und dort gibt es aktuell alle paar Meter mehrere der härzigen Tierchen zu sehen – entzückend! Auch Reiher, Störche,
Gänse und sogar Schildkröten kann man beobachten. Der Park ist riesig und so dauerte es eine Weile, bis ich ihn durchquert hatte. Nach einem Nickerchen machte ich mich langsam auf den Rückweg, um
noch weitere Teile der Stadt zu sehen. Das Museumsquartier macht seinem Namen alle Ehre und ich staunte generell nicht schlecht, wie unglaublich viele Menschen sich auf den Plätzen und Strassen
tummelten. Am Dienstag schien die Stadt halb ausgestorben zu sein (kein Wunder bei diesem Regen!) und nun musste ich mich ständig durch Menschenmengen schlängeln. Davon hatte ich bald genug und
suchte mir nochmals einen ruhigeren Ort, bevor ich mein Gepäck aus dem Hotel holte und Richtung Flughafen fuhr.
Nun sitze ich in der komplett überlaufenen Abflughalle auf dem Boden und warte bei gefühlt 50 Grad auf das Boarding. Draussen zeigt sich die Sonne immer noch in ihrer vollen Pracht und ich werde
leicht wehmütig. Nicht nur wegen des anscheinend schlechten Wetters in der Schweiz, sondern weil ich dieses schöne Land ungern verlasse. Damit meine ich nicht unbedingt Amsterdam, das war mir
heute wirklich zu überlaufen und ich befürchte, dass dies meistens der Fall ist. Gesehen haben sollte man es auf jeden Fall, bei meiner nächsten Hollandreise möchte ich aber sicherlich mehr vom
Land sehen und es – wenn möglich – wieder mit einem Besuch bei Malou verbinden. Dank je wel nederland, het was geweldig :)