Im Dezember 2022, genauer gesagt bei meiner ersten Supervision im Rahmen des Eidg. Ausbilders, erhielten wir den folgenden Auftrag: „Notiere deinen Wunsch fürs neue Jahr.“ Die
meisten meiner Klasse schrieben sowas wie „Fachausweis bestehen“ oder „Gesund bleiben“ auf. Diese beiden Wünsche gingen auch mir durch den Kopf, auf dem Papier landete jedoch intuitiv etwas ganz
anderes: „Zeit zum Reisen.“
Nun, fast ein Jahr später, ist es endlich soweit und ich bin wieder am Reisen. Diejenigen von euch, die das Gefühl haben, ich sei doch ständig unterwegs - leider falsch.
Tatsächlich war ich dieses Jahr „nur“ einige Tage bei meiner guten Freundin Malou in Holland und verbrachte anschliessend eine Extra-Nacht in Amsterdam (ihr erinnert euch vielleicht an den Blog
dazu?). Natürlich habe ich kleinere Trips wie zu meinen drei Mädels nach Heidelberg oder in die Berge unternommen. Länger gereist bin ich das letzte Mal aber tatsächlich im Sommer 2022, damals
durch Osteuropa und den Balkan sowie noch einige wunderbare Tage durch Sizilien.
Jetzt sitze ich im Bikini auf einem Hotelbalkon in Negombo, Sri Lanka, höre hupende Tuk Tuks vorbeifahren und wie der Wind die Palmen hin- und herbewegt. Das Meeresrauschen kann
ich leider nicht wahrnehmen, ich sehe es jedoch in ungefähr 100 Metern Entfernung und es scheint mich ein wenig einladend anzulächeln, wenn ich genauer hinsehe. Es wird bestimmt nicht lange
dauern und ich plansche darin. :)
Ihr merkt schon, ich bin voll in Ferienstimmung und kann es kaum erwarten, bis es richtig losgeht. Kommt ihr mit auf meine Reise? Gerne lasse ich euch teilhaben und werde mir
immer wieder die Zeit nehmen diesen Blog zu tippen. Angefangen hab ich damit übrigens bereits letzte Nacht:
Ich sitze im Qatar Airbus A350, welcher vor gut zwei Stunden in Zürich Richtung Doha abgehoben ist. Glücklicherweise konnte ich mir einen Fensterplatz ergattern. Wie ich das
Fliegen liebe! Oder wohl eher die grandiose Aussicht von hier oben. Der Himmel fängt sich langsam an zu verfärben und ich versuche meine tausend Gedanken etwas zu sortieren, welche wie wild durch
meinen Kopf schwirren. Je länger ich mir das Spektakel am Himmel anschaue, desto ruhiger werde ich. Das Farbenspiel dauert aussergewöhnlich lange, so begann sich der Himmel bereits über Österreich zu verfärben und die letzten Rosatöne konnte ich rund drei Stunden später noch am Horizont wahrnehmen.
Wunderschön!
Hier oben scheint sowieso alles verlangsamt zu sein, das habe ich schon oft gedacht. Und gerade in Zeiten wie diesen tut mir dies unheimlich gut. Bewusste Entschleunigung ist im
Alltag - jedenfall in meinem - nicht immer ganz einfach. Sobald ich im Flugzeug sitze, kann ich wortwörtlich etwas Abstand gewinnen und ein wohliges, teilweise melancholische Gefühlt fängt an
sich auszubreiten. Kennt ihr das auch?
Das Gefühl versuche ich auch jetzt auf dem Balkon wieder herbeizuführen. Seit ich auf meinem iPad den Blog getöggelet habe, hat sich jedoch etwas verändert. Der Wind streicht
zwar immer noch durch die Palmen, die Tuk Tuks haben nun aber diverse Gäste gebracht. Von hier aus habe ich die Ankömmlinge wunderbar im Sichtfeld und das People-Watching finde ich wie immer sehr
interessant. Soeben kam eine Gruppe von neun Personen an, die sich anscheinend bereits kennen und ich frage mich natürlich, ob sie mit mir unterwegs sein werden. Ich vermute zwar eher, dass sich
mehrere Reisegruppen im Hotel aufhalten. Heute Abend beim sogenannten Welcome Meeting werde ich herausfinden, wer meine Buddies sind und damit startet das nächste Karin-Abenteuer so richtig.
Jetzt ruft aber wirklich das Meer nach mir und wegen einer ziemlich kurzen Nacht auch noch etwas anderes… ;)
Nachtrag: Da legt man sich mal kuuuurz aufs Bett und wacht völlig zerstört zweieinhalb Stunden später wieder auf - nicht hilfreich für den Jetlag. Egal, irgendwann konnte ich
mich wieder zusammenraufen und lief noch ein wenig durch Negombo. Ich stürze mich tatsächlich in die kräftigen Wellen und lasse mich dabei von den Blicken und Kommentaren der Einheimischen nicht
versunsichern. Dies kenne ich aus anderen Ländern, auch hier in Sri Lanka scheint vor allem die männliche Gattung Gefallen daran zu haben Frauen anzustarren und Bemerkungen abzugeben.
Göschenen-Airolo.
Als sich der Himmel immer mehr verdunkelt und es anfängt zu regnen, laufe ich dem Strand entlang zurück und treffe dabei eine Frau, die mir ein Kleidungsstück verkaufen möchte.
Da ich dafür keinen Bedarf habe, schlage ich ihr einen Deal vor: Ein Foto von ihr gegen etwas Trinkgeld. Sie ist einverstanden und ich darf sie knipsen. Leider habe ich die gute Kamera nicht
dabei, aber auch mit dem Natel gibt es eine ganz gelungene Aufnahme. Sie strahlt förmlich das Regenwetter weg!
Die Übung hat mir gezeigt, dass ich mich ruhig trauen darf, Leute fürs Fotografieren anzufragen. Pitschnass und mit einem grossen Grinsen im Gesicht komme ich ins Hotel zurück,
gönne mir eine ausgiebige Dusche, verscheuche die Kakerlake im Bad und mache mich fürs Treffen mit meiner Gruppe parat. Ich stelle sie euch dann gerne noch ausführlich vor, nur schon so viel: Es
sind lustigerweise wieder alles Personen mit Muttersprache Englisch, was mir ja entgegenkommt. Das Alter variert schätzungsweise zwischen 25 und 75. Mit dem ungefähr gleichaltigen Päärchen aus
Australien, Kim aus Schottland und John aus England verstehe ich mich besonders gut. Und mit Mary aus den USA, welche sich ab morgen ein Zimmer mit mir teilen wird. Heute darf ich wegen eines
Fehlers des Hotels noch ein Einzelzimmer für mich geniessen und das mache ich nun auch - hab schliesslich einiges an Schlaf nachzuholen und bin euch doch 4.5 Stunden voraus.