Wie baut man am schnellsten Muskeln auf? Mit Getränkeharassen rumschleppen! Und wie verliert man am schnellsten überflüssige Kilos? Mit
Stägeli-uf-Stägeli-ab-laufen. Vorher war ich jahrelang mehr oder weniger regelmässig im Fitnesscenter, um einigermassen in Form zu sein. Hier oben krieg ich das alles kostenlos resp. werde noch
dafür bezahlt. ;) Und das tagtägliche Workout zeigt seine Wirkung, so habe ich - entgegen der Prognose des Hüttenwarts - abgenommen und fühle mich deutlich fitter. Die Rückenschmerzen werden an
dieser Stelle jetzt mal ausgeblendet, dafür gibts ja gute Masseur*innen. Tatsächlich verursacht das lange Stehen oder das Rumtragen von schweren Dingen ab und zu ein Zwicken an ungewohnten
Körperstellen. Besonders dann, wenn rund drei Tonnen Getränke und Esswaren innerhalb kürzester Zeit aus den Transportnetzen des Helis und in die Hütte getragen werden müssen. Tragen geht ja, aber
ich als nicht ganz so Grossgewachsene muss die Bierkästen jeweils mit aller Kraft zum Stapeln hochstemmen, was ganz schön anstrengend ist. Zu merken, dass man plötzlich mehr Mukikraft hat, macht
jedoch auch stolz! Und wisst ihr, was das Allerbeste ist? Dank der vielen Bewegung kann ich zudem nach Lust und Laune schlemmen - wenn das mal nicht ein absoluter Jackpot ist. :)
Wollt ihr wissen, wann ich wie ein Häufchen Elend in der Küche stehe? Nicht etwa an besonders stressigen Tagen oder weil die Kaffeemaschine noch nicht genügend
heiss für meinen geliebten Cappuccino ist. Nein, damit kann ich umgehen. So richtig schwierig wird es für mich, wenn ich Zwiebeln schneiden muss. Unendlich viele Zwiebeln! Egal welchen gut
gemeinten Tipp ich befolge, spätestens bei der zweiten Zwiebel tränen meine Augen. Das ist an sich nicht weiter schlimm, aber da es sich zeitgleich anfühlt, als ob mir jemand ein Messer ins Auge
rammen würde, muss ich meine Augen zusammenkneifen und kurz an die frische Luft. Wenn ich sie dann unter Schmerzen wieder öffne, dann sieht das anscheinend Zombie-mässig aus. Und ziemlich genau
so fühlt sich das ehrlich gesagt auch an. Als ich letztens rund 50 Zwiebeln für das Abendessen schnippeln wollte und bereits nach wenigen Minuten völlig verheult und mit roten Augen in der Küche
stand, erbarmte sich mein Team einmal mehr. Zwiebeln musste ich keine mehr schneiden, dafür hab ich 8 Kilo Rüebli geschält und geschnippelt. Mit orangen Händen kann ich besser umgehen als mit
roten Augen. ;)
Und hier einige Kurzgschichtli, die in den letzten vier Monaten entstanden sind:
Karin und Chantal machten zusammen das erste Mal Zmorge. Karin verwechselte innerhalb der ersten paar Minuten die Pfannen, mit denen das Wasser für
den Kaffee- und Wasserkrug aufgekocht wird (sollte nicht vertauscht werden, da das Wasser ansonsten nach Kaffee schmeckt, logisch oder?). Als sie es bemerkte, fragte sie Chantal etwas ratlos um
Hilfe. Diese erklärte es ihr in etwa so: „Dann füllst du das Wasser halt nun in den Krug da hinten um und den vorderen wiederum in den links.“ Karin nickte langsam, schaute dann noch verdutzter
rein und fragte sich insgeheim „Wie war das jetzt nochmal?!?“. Sie nahm den ersten Krug, schüttete sich beim Umleeren das heisse Wasser über die Hand und sagte dann ganz resigniert zu Chantal:
„Ech wott ez zerscht mou es Kafi ond zwar es rechtigs us de Maschine!“
An einem regnerischen Montag tauchte den ganzen Tag keine Menschenseele auf. Auch Übernachtungsgäste gab es keine. Abends sagten sich Chantal und
Karin, dass sie ja getrost etwas ausschlafen können, da das Wetter auch am nächsten Tag nicht besser sei. Gesagt, getan. Karin erwachte um 7.30 Uhr, ging gemütlich duschen und startete danach die
Kaffeemaschine. Als sie durch die Küche lief, nahm sie plötzlich draussen eine Bewegung wahr. Ganz verdutzt öffnete sie die Tür, schaute in drei Gesichter von durchnässten Jägern und meinte: „Oh,
da sind ja Menschen!“ Glücklicherweise standen diese erst einige Minuten dort und waren dankbar, dass überhaupt jemand anwesend war. Da die Kaffeemaschine noch zu wenig heiss war, machte Karin
kurzerhand Filterkaffee. Die drei Männer blieben schlussendlich bis nach dem Mittag in der gemütlichen Stube und liessen sich lieber bedienen als das Wild zu jagen. Und Karin freute sich, dass
doch noch jemand aufgetaucht ist.
Cornel verwechselte ständig die Namen der Teamgspändli Cathrin und Karin. Eines Tages ist Cornel am
Abwaschen und möchte Karin, welche auch in der Küche steht, etwas erzählen. Da er jedoch Cathrin sagte, drehte sich diese um und hörte ihm aufmerksam zu. Die beiden plauderten eine Weile.
Plötzlich meinte Cornel ganz zerknirscht zu Karin: „Also eigentlich wollte ich ja mit dir reden, aber ich hab wieder Mal die Namen vertauscht…“ ;)
Im Herbst kann das Wetter bekanntlich schnell umschlagen. So auch an einem Sonntagabend anfangs September. Am Nachmittag schien die Sonne und es waren sehr viele Gäste da, gegen Abend leerte sich
die Terrasse. Die rund dreissig Übernachtungsgäste waren alle bereits in der Hütte, als es anfing zu regnen und auch noch ein Gewitter aufzog. Es hagelte wie verrückt und alle waren froh,
in der geschützten und warmen Stube zu sitzen. Um 21.30 Uhr gingen die Gäste langsam richtig Schlafräume. Auch das erschöpfte Team freute sich auf den Feierabend. In diesem Moment klingelte das
Telefon. An der Bergstation standen anscheinend noch 47 Personen, welche aufgrund des Gewitters nicht mit der Bahn ins Tal gekommen waren und sich nun überlegten, in der Hütte zu übernachten.
Alle schauten sich mit grossen Augen an und fingen an zu diskutieren: „Stehen wirklich seit rund 5 Stunden so viele Leute an der Bergstation? Oder macht Eliane einen Witz? Müssen wir jetzt
nochmals für so viele Znacht kochen? Und allen einen Schlafplatz zuweisen? Ist der Feierabend soeben in weite Ferne gerückt?“ Fragen über Fragen…
Vom Mythenstübli aus schauten wir Richtung Bergstation, dort liess sich wegen der Dunkelheit und des Regens jedoch nichts erkennen. Wenige Minuten
später trudelten einzelne völlig durchnässte Wanderer ein. Diese wärmten sich in der Hütte auf und kriegten natürlich auch noch etwas zu essen sowie einen Schlafplatz. Ob noch mehr folgen würden?
Keine Ahnung… Völlig übermüdet gingen wir irgendwann ins Bett. Die anderen rund 40 Personen tauchten in dieser Nacht nicht mehr auf, sondern wurden von Res in einer Nacht-und-Nebel-Aktion noch
ins Tal geseilt. Und wir erhielten unseren verdienten Schlaf.
Wenn das Telefon zu später Stunde klingelt, ist es allgemein nie ein gutes Zeichen. So rief eines Abends um 22 Uhr ein besorgter Vater an und
erzählte mir, dass sein Sohn irgendwo bei uns in der Nähe sei. Eigentlich wollte er beim Spilauersee zelteln, er geriet aber wohl von der Route ab und irrte nun herum. Ich sagte ihm, dass wir
freie Plätze hätten und er doch bei uns übernachten solle. Kurzerhand ging ich nach draussen und hielt Ausschau nach einer Stirnlampe oder generell einem Lebenszeichen des Jungen. In der
Dunkelheit liess sich nichts erkennen und so hoffte ich, dass er den Weg alleine finden würde. Etwas später tauchte ein Jugendlicher in weissen Trainerhosen auf, der fragte, ob er bei uns
übernachten dürfe. Er schien mir etwas verwirrt und vor allem sehr erschöpft. Auf meine Fragen kamen keine klaren Antworten und als er mich nach einem Ladekabel für sein iPhone fragte, wurde mir
klar, wie schlecht er vorbereitet war. Am nächsten Morgen wollte ich von ihm wissen, wohin er nun wandere. Das wisse er noch nicht, er laufe einfach mal drauf los. Mit einem etwas unguten Gefühl
und den Worten „und sonst weisst du ja, wo du Unterschlupf findest“ liess ich ihn ziehen. Da er nicht nochmals bei uns aufgetaucht ist, gehe ich davon aus, dass er sein eigentliches Ziel dieses
Mal gefunden hat.
Obwohl der Wetterbericht in den Bergen Schnee angekündigt hatte, staunte ich nicht schlecht, als ich nach einigen freien Tagen wieder ins Lidernengebiet kam. Sogar Riemenstalden war in ein
weissesGewand gehüllt, bei der Hütte oben sollten 35cm Schnee liegen! Und kalt war es plötzlich, brrrrr. Einige Tage zuvor sassen wir noch im T-Shirt und kurzen Hosen vor der Hütte und nun brauchte
ich eineMütze und Handschuhe. Zusammen mit Chantal trug ich Lebensmittel von der Bergstation zur Hütte. Irgendwie waren wir wohl noch nicht ganz wach, denn wir trugen die Äpfel und Eier vorne statt
auf dieTragi zu laden. Bei guten Verhältnissen ist das ja machbar, bei einem solch rutschigen Untergrund aber eine Herausforderung. Wegen der Kälte konnte ich die Kiste kaum halten, so dass die
Eiergefährlich in Schieflage gerieten. Ziemlich verschwitzt kamen wir in der Hütte an, unsere Bilanz war aber ganz gut: Ein Ei war leicht angeknackst, alle Äpfel noch in der Kiste. Und wir
beidenbrauchten bereits eine Pause zum Verschnaufen und um die Winterlandschaft zu bestaunen.
Welches scheue Tier zeigt sich, wenn es ruhiger wird in den Bergen? Nein, leider keine Gämschi und Steinböcke, wie ich es gerne hätte. Um die zu sehen, muss ich wohl eher in ein anderes Gebiet. Die
imposanten Birkhühner sind aber auch ganz schön zum Angucken, vor allem wenn sie vor der Hütte herumstolzieren und eine Art Balztanz aufführen. Und wir dabei in der Wärme frühstücken, welch schönes
Schauspiel! Das geniale Foto in der Galerie hat übrigens Christian geschossen.
Zum Pfuusen brauche ich schon mal eine Wärmeflasche, wenn die Temperaturen derart sinken. Schön eingekuschelt lässt es sich dann auch ganz schnell einschlafen. Blöd nur, dass ich nach wenigen
Stundenwieder aufwache und dann jeweils ins kalte Untergeschoss aufs WC muss. Das Knarren der Holztreppe stört mich dabei deutlich weniger als die Kälte, die mich jeweils sofort zittern lässt. Da
bringenauch lange Hosen und Socken nichts, sondern nur so schnell wie möglich wieder unter die Bettdecke zu schlüpfen und zu hoffen, dass die Wärmeflasche noch im Dienst ist.
Die Sonne geht nun deutlich später auf, Frühstück macht man somit noch im Dunkeln. Jedoch kann man bereits am frühen Morgen erkennen, ob das Flachland von einem Nebelmeer bedeckt wird oder
nicht.Gerade jetzt im Herbst kommt das oft vor und ich finde den Anblick jedes Mal wieder wunderschön. Und bin etwas schadenfreudig, das geb ich zu. Aber hey, das ist eben das Privileg, wenn man in
den Bergen arbeitet.
Föteli für den Teil 2: