Liebeszeugs

Die 7 Corona-Single-Phasen

DIE 7 CORONA-SINGLE-PHASEN
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DIE 7 CORONA-SINGLE-PHASEN

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Mai 2020

Es ist heiter bis wolkig, zuweilen gar stürmisch und gewittrig. Ich sitze auf dem Balkon und schaue staunend dem Treiben des Wetters zu.
Faszinierend! Hätte mir vor zwei Monaten jemand gesagt, dass ich an einem Samstagabend allein auf dem Balkon sitzen und dem Wetter zuschauen würde, vor mir ein Glas Aperol Spritz und als
Gesellschaft eine Kerze, hätte ich gelacht und gesagt „Aber ich doch nicht!“ Und dann kam Corona…

Als ich vor ziemlich genau einem Jahr abrupt aus meiner Seifenblase katapultiert wurde und mich plötzlich als Single wiederfand, ahnte ich noch nicht, was das folgende Jahr für mich bereithalten
sollte. Ihr fragt euch jetzt sicher, was das mit Corona zu tun hat, denn das war damals ja glücklicherweise noch völlig unbekannt. Nun ja, die erste Corona-Phase als Single startete bereits
damals:

Phase 1: Ich will frei sein!

Wird man nach vielen Jahren plötzlich verlassen, ja, dann muss man das zuerst verarbeiten und auch ein wenig trauern gehört dazu. Das ist völlig normal. Bei mir kam jedoch sehr schnell das Gefühl
von „und ich will jetzt auf keinen Fall sofort wieder einen Freund“, was einige in meinem Umfeld wohl irritiert hat. Das Gefühl, sich völlig auf sich konzentrieren zu können, sich nicht
rechtfertigen zu müssen und tun und lassen zu können, auf was man Lust hat oder eben nicht, das gefällt mir bis heute. Es gibt Tage, da feiere ich das regelrecht und denke mir, wie herrlich diese
Freiheit doch ist. In dieser Phase befand ich mich auch noch, als Corona anfangs März allmählich irgendwo in China – also weit weg – zum Thema wurde. Mit Freunden ging ich feiern, flirtete nach
Lust und Laune und hatte das eine oder andere Date. Dies jedoch ohne zu wissen, was ich zu dieser Zeit genau wollte. Um ehrlich zu sein, das wusste ich gar nicht, aber genau das bescherte mir
eine gewisse Unbekümmertheit. Ganz nach dem Motto „alles kann, nichts muss“ genoss ich mein Single-Dasein.

Phase 2: Verpasste Chancen

Von einem Tag auf den anderen, jedenfalls für mich als hoffnungslose Optimistin, war Corona da. Und zwar richtig! Läden wurden geschlossen, der ÖV stark eingeschränkt und meine geliebten
Restaurants und Bars dicht gemacht. Hatte ich doch eben noch nächtelang durchgetanzt und meine neue Wohnung nur zum Schlafen besucht, hiess es plötzlich Zuhause bleiben. Bääm, Ende aus! Wer mich
kennt, weiss, wie aktiv ich bin und dass ich einfach gerne unterwegs und unter Menschen bin. Dennoch konnte ich dem Ganzen viel Positives abgewinnen, da ich die Entschleunigung deutlich
wahrnehmen konnte. Es war angenehm, wenn man plötzlich nicht jeden Abend Verpflichtungen hat, nicht wahr? Ist man viel Zuhause und allein, gerät man aber schon mal ins Grübeln. Diese Phase hatte
ich um Ostern, als ich wirklich viele Stunden allein Zuhause verbracht habe. Plötzlich fragte ich mich, wieso ich dem netten Typen vom letzten Jahr denn eigentlich nie eine richtige Chance
gegeben habe. Oder warum ich nach einem wirklich guten Date kein Interesse entwickle, obwohl er doch echt ein toller Kerl ist. Hmm…. Grübeleien gekoppelt mit Alleinsein, das wird gefährlich, das
sag ich euch. Und so kam es, dass ich verpasste Chancen verzweifelt wiederaufleben lassen wollte. Ich sage nur so viel: Es gibt einen Grund, warum es damals nicht passte. Auch wenn es den heute
vielleicht nicht mehr gibt, es sollte nicht sein. Und wenn sich jetzt jemand angesprochen fühlt, dann noch diese Bemerkung: Sorry, wenn ich eine Wunde wieder aufgekratzt habe. Aber nun ist ein
Pflaster drauf und es kann heilen, vor allem bei mir.

Phase 3: Tinder-Wahnsinn

Ja, ich geb’s zu… Ich war auf Tinder. Mit Betonung auf war! Nennen wir es Horizonterweiterung ;) Einige meiner Freundinnen waren von Beginn an skeptisch als ich ihnen erzählte, dass ich an einem
Samstagabend allein auf dem Sofa plötzlich ein Tinder-Profil erstellte. Ganz ehrlich, eigentlich finde ich Online-Dating ja selbst doof. Aber stellt euch vor, ihr hättet echt Lust zu daten oder
seid einfach dankbar für eine Kommunikation mit dem anderen Geschlecht, dann landet man früher oder später einfach auf Tinder… Tatsächlich habe ich dank Tinder bereits vor Corona nette Typen
kennengelernt und so sogar Dates klargemacht. Das war offensichtlich weniger erfolgreich, aber das ist eine andere Geschichte. Dating-Apps sind auf den ersten Blick vielversprechend, weil man
ziemlich unkompliziert mit potenziellen Dates in Kontakt treten kann. Etwas hin- und herschreiben und wenn’s passt, dann verabredet man sich. Eigentlich. Denn zu Zeiten von Corona ist das nicht
so einfach, gell. Schreibt man sich wochenlang ständig Nachrichten, dann wird der Wunsch sich persönlich kennen zu lernen natürlich immer grösser. Und so liess ich mich auf ein Date auf Distanz
ein und zwar zum Ping Pong Spielen. Nicht lachen, ich fand das eine großartige Idee und wir hatten so immer genügend Abstand. Den wollte ich ehrlich gesagt jedoch auch, Corona hin oder her. Ihr
merkt, es blieb bei diesem einen Date…

Phase 4: Mach mal Pause…

Meine anderen Tinder-Erfahrungen lasse ich hier mal aussen vor, das würde den Rahmen definitiv sprengen. Nur so viel: Wer sucht, der findet auf Tinder! Egal was… Da ich aber gar nicht wusste, was
ich genau suchte, wurde ich auch nicht fündig. Und da es ziemlich anstrengend sein kann, mit mehreren Typen gleichzeitig zu schreiben – und ja, das passiert bei Dating-Apps ziemlich schnell -.
löschte ich meinen Account wieder. Meine Güte, Dating kann so ermüdend sein! In dieser Phase beschloss ich, wieder mal durchzuatmen und eine Pause einzulegen. Einfach mal „d Seel ä chli la
bambälä la“. Die nun plötzlich freie Zeit füllte ich mit sogenannten Corona-Hobbies. Ich bin sicher, dass ihr alle solche habt, gebt es zu! Was mir bereits vor Corona viel Freude bereitete, ist
das Spazieren. Aktuell laufe ich stundenlang durchs Wauwilermoos und geniesse die schöne Landschaft und vor allem die Ruhe – jedenfalls an nicht ganz so prächtigen Tagen, ansonsten ist das Moos
masslos überlaufen. Auf dem Beobachtungsturm entdecke ich immer wieder viele Tiere und kann wunderbar abschalten. Und seit einigen Wochen gehe ich – tadaaaa – joggen! Ja, ich kann es selbst noch
kaum fassen, ich gehe tatsächlich zweimal die Woche mit dem Bike zum Vita Parcours und renne dann freiwillig durch den Wald. Ich sag ja, Corona hat auch Gutes!

Phase 5: Einsamkeit

Wie bereits erwähnt sind Dating-Apps nicht zielführend, aber persönlich jemanden kennenzulernen ist grad ziemlich schwierig. Doofe Situation für alle Singles, klar. Auch ich fühle mich aktuell
oft einsam und frage mich, wie es wäre, jetzt einen Partner zu haben. Die Vorstellung, nicht allein stundenlang Netflix zu suchten oder nicht allein ziellos durch die Gegend zu laufen, ist schon
schön. Oder endlich nicht mehr allein zu essen, denn das finde ich nach wie vor etwas vom Unangenehmsten überhaupt. Und trotzdem, die Vorteile des Single-Seins habe ich zu Beginn erläutert. Ich
glaube, dass sich aktuell viele Menschen einsam fühlen, egal ob alleinstehend oder nicht. Corona hat unser Leben komplett über den Haufen geworfen und wird uns wohl noch einige Zeit einschränken.
Nichts desto trotz oder gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns einige Dinge bewusstwerden: Wir sind alles Individuen und reagieren anders auf solche Umstände. Ich selbst ertappe mich immer
wieder dabei, wie ich die Ruhe abends Zuhause absolut geniesse und einige Stunden später fühle ich mich wieder völlig allein. Diese Achterbahn der Gefühle ist echt anstrengend. Dies erlebt man
aber wohl auch, wenn man aktuell in einer Beziehung ist, denn auch das ist eine Herausforderung. Einsam fühlen kann man sich auch zu zweit, nicht wahr? Wichtig ist doch, dass wir unsere eigenen
Bedürfnisse wahrnehmen und das beste aus der Situation machen. Und dabei uns selbst bleiben. Denn nur wir kennen unsere Wünsche und können sie erfüllen, niemand sonst.

Phase 6: Nicht suchen, sondern finden. Und zwar sich selbst.

„Wenn du verzweifelt suchst, dann schreckt das Typen ab und du findest nie den Richtigen“. Den Spruch, welchen ich jahrelang Freundinnen von mir gepredigt habe, kann ich nun aus eigener Erfahrung
bestätigen. Die Verzweiflung sieht man jemanden an und das ist weiss Gott nicht anziehend. Den Wunsch, jemanden zu finden, kann man jedoch nicht so einfach unterdrücken. Verzwickte Situation,
hmm? Ein Rezept gibt es wohl nicht, aber einen ernst gemeinten Ratschlag: Sucht nicht, findet. Und zwar zu euch selbst. Das Zauberwort heisst Selbstliebe und ist das Wichtigste überhaupt. Wie
soll euch jemand lieben, wenn ihr euch selbst nicht mögt? Ich weiss, an manchen Tagen mag man sich einfach nicht und das ist auch völlig in Ordnung. Die Hose passt nicht so recht, es macht sich
ein Pickel bemerkbar und die Kollegin erwähnt die Augenringe – Autsch. Wichtig ist, dass wieder andere Tage kommen, an denen man durch die Welt geht und denkt „Hey, ich bin ein toller Mensch und
heute ist ein wunderbarer Tag!“. Glaubt mir, das gelingt mir auch nicht immer. Aber seit Corona habe ich wieder etwas mehr Zeit mich damit auseinanderzusetzen und aktiv etwas dafür zu tun, dass
ich mich wohl fühle in meiner Haut. Sport ist sicher wichtig, ich meine aber eher die innere Ruhe und Zufriedenheit. Seine Gedanken gehen zu lassen und zu akzeptieren, dass nicht alles immer
funktionieren muss zum Beispiel. Oder sich an den kleinen Dingen freuen, die das Herz erwärmen. Und mit sich selbst im Reinen sein. Wenn wir das sind, dann findet uns das Glück, und zwar dann,
wenn wir es am wenigsten erwarten.

Phase 7: Dankbarkeit

Ich sitze gemütlich auf meiner Lounge auf dem Balkon, sehe immer noch dem Gewitter zu und schreibe nebenbei diesen Blog. Obwohl ich mich vor wenigen Stunden noch einsam gefühlt habe, weil dieses
Wochenende alle schon etwas los zu haben scheinen und ich mir dachte, dass ich mir echt eine Single-Kollegin suchen sollte, sitze ich nun entspannt hier. Und ich fühle mich wohl. Ich fühle mich
wohl, weil ich heute trotz anstrengender Online-Weiterbildung und dadurch entstandener Müdigkeit noch joggen war. Und mir danach ein superleckeres Abendessen auf dem Grill zubereitet habe. Und
weil ich sogar noch eine Stunde spazieren war und dabei den herzigen Bibeli der Kiebitze zuschauen konnte, wie sie etwas tollpatschig umherliefen. Und ich fühle mich wohl, weil ich jetzt hier
sitze, so ganz allein, und weiss, dass alles gut wird. Und jetzt rede ich nicht von Corona, sondern von meiner Zukunft. Unserer Zukunft. Sind wir doch einfach dankbar für alles, was wir haben und
dass es uns gut geht! Tragen wir diese Dankbarkeit in die Welt hinaus. Und wer weiss, vielleicht lerne ich meinen Traummann (Klammerbemerkung: Wenn er das überhaupt sein muss!) ja tatsächlich auf
dem Turm kennen, auf den ich seit Corona nun regelmässig gehe. Oder beim Joggen im Vita Parcours. Egal wo, es wird passieren. Aber ganz bestimmt nicht, wenn ich auf meiner Lounge sitzen bleibe
und dem Wetter zuschaue. Sondern wenn ich in die Welt hinausgehe, mit mir im Reinen bin und das auch ausstrahle. Danke Corona!

PS: Wer das alles gelesen hat, darf sich auf einen Aperol Spritz freuen. Bei mir Zuhause auf der Lounge natürlich ;)

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